Gute-Nacht-Geschichte

Die „verrückte“ Tür

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– Von Fabian T. aus Siedenburg –

Es war einmal ein alter Baum, der einsam und traurig in einem dunklen Wald stand. Er liebte es, spannende Geschichten zu erzählen aber die anderen Bäume um ihn herum, wollten diese nicht hören. Sie waren genervt von ihm und würdigten ihn keines Blickes. Der Baum war deswegen sehr frustriert, denn er hatte viel Fantasie. Die Geschichten sprudelten aus ihm heraus.

Baum Eines Tages, es war Herbst, rückten die Holzfäller an. Der alte Baum fand das Treiben der Leute sehr aufregend und freute sich, als sie zu ihm kamen. Endlich Menschen, denen er seine Geschichten erzählen konnte! Doch die Holzfäller holten die Säge heraus, um ihn zu fällen. Er wurde abtransportiert und in ein Sägewerk gebracht. Dort wurde aus dem alten Baum eine Tür.

So hatte er sich das nicht vorgestellt. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Sie stellten die Tür in eine dunkle Lagerhalle und ließen sie alleine. Es vergingen Monate – sie dachte, dass sie dort nie wieder heraus kommen würde.

Im Frühling kam plötzlich ein Spediteur und lud die Tür auf einen LKW. Sofort spürte die Tür, dass jetzt ein neues Leben für sie beginnen würde. Sie war aufgeregt: Wo es wohl hingehen wird?Baum

Der LKW hielt an einem wunderschönen Haus, direkt an einem kleinen See. Die Sonne schien hell und die Vögel zwitscherten fröhlich. „Hier werde ich jetzt wohnen!“, freute sich die Tür.

Aus dem Haus kam eine Familie und übernahm die Tür vom Spediteur. Sie hörte den Namen Fabian und dass der nun eine neue Tür für sein Kinderzimmer bekommen soll.

Fabian war ein blasser Junge, der nicht lächelte und verschüchtert hinter seinen Eltern stand. „Ich werde ihn zum Lächeln bringen“, dachte die Tür.
Aufgeäumtes ZimmerEs dauerte nicht lange, da stand die Tür an ihrem neuen Platz. Das Kinderzimmer von Fabian war voll mit Spielsachen, alle sehr penibel in einer Reihe aufgestellt. Jedes Spielzeug hatte seinen festen Platz. „Ein ordentlicher Junge.“, dachte die Tür.

Es wurde Abend und Fabian sollte ins Bett. Davor musste er noch Zähne putzen und sich waschen. Auf einmal kam lautes Geschrei aus dem Badezimmer. Fabian wollte nicht ins Bett und versuchte alles, um es heraus zu zögern. Er diskutierte lautstark jeden Schritt, den er machte.
Seine Eltern waren am Verzweifeln. „Jeden Abend das Gleiche“, sagte die Mutter. „Er wird bestimmt wieder bis 23 Uhr wachbleiben. Wir müssen uns wohl damit abfinden. Der Therapeut meinte ja, dass es bei AUTISTEN vorkommen kann.“

Die Tür horchte auf. Das Wort „Autist“ hatte sie noch nie gehört. Es war ihr auch egal. Sie mochte Fabian, so wie er war.

Es dauerte noch eine Weile, bis der Junge ins Kinderzimmer kam. Er sah ganz verzweifelt aus und legte sich nur widerwillig ins Bett. Der Tür tat Fabian leid und sie dachte sich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ihn aufzumuntern. Sie sprach ihn vorsichtig an: „Hallooo?“. Fabian bekam ganz große Augen. „Du kannst sprechen? Das ist ja verrückt.“ „Ja, warum denn nicht? Ich kenne ganz viele tolle Geschichten. Soll ich dir welche erzählen?“, rief die Tür. Das ließ sich Fabian nicht zweimal sagen. „Ja, natürlich!“, stieß er begeistert hervor und hörte der Tür fasziniert bei ihren Geschichten zu.

Es dauerte nicht lange, da war Fabian zufrieden und glücklich eingeschlafen.

Ab diesem Tag konnte er es kaum erwarten, ins Bett zu gehen, um den Geschichten der Tür zu lauschen. Seine Eltern waren über diese Neuerung sehr erfreut.
Die Tür, die ehemals ein Baum war, konnte ihr Glück kaum glauben. Sie hatte endlich jemanden gefunden, der ihre Geschichten liebte. Da ihre Erzählungen manchmal sehr, sehr fantasievoll waren, hieß die Tür bei Fabian nur „verrückte“ Tür.

Da haben sich zwei gesucht und gefunden.

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